Die Digesten (von digerere = systematisch zusammenstellen; griechisch: pandektai = Pandekten) stellen eine Sammlung des klassischen Juristenrechts dar. Ende 530 n Chr erging in der Konstitution Deo auctore (benannt nach den Anfangsworten) der Auftrag Justinians an Tribonian zur Sammlung des klassischen Rechts unter Ausscheidung veralteter Rechtsinstitute und Regeln und zur Beseitigung von Widersprüchen durch Streichung von Kontroversen. Innerhalb der 50 Bücher der Digesten sind die Exzerpte der klassischen Juristenschriften jeweils mit inscriptio ausgestattet, aus der der Autor sowie das Werk, aus dem zitiert wird, angeführt ist; diese Angaben ermöglichten die Rekonstruktion der klassischen Rechtsliteratur (die von den Kompilatoren auf ca 1/20 reduziert wurde). Die 9142 Exzerpte sind auf 430 Sachtitel verteilt, die vermutlich der Ediktsordnung folgen; Bücher 2-46 enthalten Privatrecht, 47 und 48 Verfahrensrecht, Verwaltungsrecht und Strafrecht (libri terribiles); Buch 1 = Allgemeine Rechtslehre, Rechtsgeschichte; Buch 50 Titel 16 = De verborum significatione; Buch 50 Titel 17 = De diversis regulae iuris antiqui. Ursprünglich hatte der Kaiser wohl daran gedacht, das Juristenrecht in der von den fünf alten Juristen Gaius, Papinian, Ulpian, Paulus und Modestinus verfassten Schriften zu belassen. Widersprüche zwischen deren Werken sollten nach dem Zitiergesetz nach Mehrheiten entschieden werden. Alte Juristenkontroversen hat Justinian zunächst durch die Quinquaginta decisiones (50 Entscheidungen) gelöst. Ende 530 tritt uns dann der Kodifikationsplan für das ius in der Constitution Deo auctore entgegen. Seine Ausführung ist drei Jahre später abgeschlossen. Die verhältnismäßig kurze Zeit für die Bewältigung der immensen Arbeit versucht die Massentheorie von F. Bluhme zu erklären. Danach haben die Mitglieder der von Kaiser eingesetzten Kommission die gesammelten Juristenschriften in Gruppen („Sabinusmasse“, „Ediktsmasse“, „Papiniansmasse“, „Appendixmasse“) geteilt, deren Werke in aufsteigender Folge der libri von Unterkommissionen exzerpiert werden. Schließlich haben die Arbeitsgruppen unter einander ihre Ergebnisse zum Digestentext angeordnet. Durch die Zeitersparnis der gleichzeitig arbeitenden Unterkommissionen sei das Werk in den drei Jahren bewältigt worden. Andere Erklärungen gehen davon aus, dass bereits vor 530 Zusammenstellungen des klassischen Materials (zB zu Unterrichtszwecken) erarbeitet worden seien, auf denen die Kompilatoren aufgebaut hätten (sog Praedigesten-Theorien).

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