Der Auftragswert ist ein Begriff aus dem Vergaberecht. Dabei handelt es sich um den Wert, den ein umsichtiger, sach- und fachkundiger Auftraggeber nach sorgfältiger Prüfung veranschlagen würde“.

Der Auftragswert ist ein zentrales Element von Vergabeverfahren nach dem ­Bundesvergabe­gesetz (BVergG), an dem eine Vielzahl von Rechtsfolgen hängen.

Der Auftraggeber hat vor Einleitung des Vergabeverfahrens den Wert seiner Beschaffung zu schätzen.

Auftragswertberechnung

„Sorgfältige“ Schätzung nach Erfahrungswerten

  • „Altangebote“ (zB Preisdatenbanken)
  • Markterkundung (Herstellerinformation, Preislisten etc)
  • uU Beiziehung eines Sachverständigen

Ausgangspunkt sind Nettopreise

  • für sämtliche Lose, Optionen, Vertragsverlängerungen (möglicher Maximalwert)
  • Preise exkl Umsatzsteuer
  • Berücksichtigung von üblichen Preisnachlässen (Behördenrabatte, Abschläge von Gebührenordnungen, Skonti etc)

Ausschlaggebend ist der Zeitpunkt der Verfahrenseinleitung

  • Absendung der Bekanntmachung
  • direktes Ansprechen von Unternehmen

Prämien und Zahlungen des AG sind bei der Schätzung zu berücksichtigen

  • Anrechnung des Honorars eines gescheiterten Vorprojekts unter dem Titel „Schadenersatz“ ist in der Auftragswertberechnung zu berücksichtigen (LVwG Tirol 1.2.2016, LVwG-2014/S2/0295-17)

Dokumentation der Schätzung empfehlenswert

  • War die Schätzung sorgfältig, so schaden Abweichungen der einlangenden Angebotspreise nicht
  • relevant auch für Bemessung der Pauschalgebühr in Vergabekontrollverfahren

Vorhabensbegriff und Splitting-Verbot

Vorhabensbegriff (§ 13 Abs 1 BVergG 2018):

Grundlage für die Berechnung des geschätzten Auftragswertes eines öffentlichen Auftrages ist der Gesamtwert […], der vom öffentlichen Auftraggeber voraussichtlich zu zahlen ist. Bei dieser Berechnung ist der geschätzte Gesamtwert aller der zum Vorhaben gehörigen Leistungen einschließlich aller Optionen und etwaiger Vertragsverlängerungen zu berücksichtigen.

Splitting-Verbot (§ 13 Abs 5 BVergG 2018):

Die Wahl der angewandten Berechnungsmethode darf nicht den
Zweck
verfolgen, die Anwendung der Vorschriften dieses Bundesgesetzes zu umgehen.“

Quellen

  • Mag. Berthold Hofbauer, Rechtsanwalt und Partner bei Heid & Partner Rechtsanwälte GmbH, www.heid-partner.at
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