Rechtfertigungsgründe

Normalerweise gilt im Recht ein einfacher Grundsatz: Wer ein geschütztes Rechtsgut verletzt, handelt rechtswidrig. Doch das Gesetz kennt Situationen, in denen ein Verhalten zwar nach außen wie eine Rechtsverletzung aussieht, rechtlich aber erlaubt oder gerechtfertigt ist. Genau hier kommen die sogenannten Rechtfertigungsgründe ins Spiel.

Ein Rechtfertigungsgrund hebt die Rechtswidrigkeit einer Handlung auf. Die Handlung bleibt zwar objektiv eine Beeinträchtigung, wird aber vom Recht akzeptiert, weil sie unter bestimmten Umständen notwendig oder erlaubt ist.

Typische Rechtfertigungsgründe im Strafrecht

Das Strafrecht kennt mehrere klassische Rechtfertigungsgründe:

  • Notwehr (§ 3 StGB)
    Eine Handlung zur Abwehr eines rechtswidrigen Angriffs auf ein geschütztes Rechtsgut wie Leben, Gesundheit oder Eigentum.
  • Notstand (§ 10 StGB)
    Eine Handlung zur Abwendung einer unmittelbaren Gefahr, wenn das geschützte Interesse deutlich schwerer wiegt als das beeinträchtigte.
  • Einwilligung des Verletzten
    Eine wirksame Zustimmung kann eine Handlung rechtfertigen, etwa bei medizinischen Eingriffen.
  • Handeln aufgrund gesetzlicher Befugnis
    Beispielsweise bei bestimmten Amtshandlungen der Polizei.

Rechtfertigungsgründe im Zivilrecht

Auch im Schadenersatzrecht spielen Rechtfertigungsgründe eine Rolle. Das ABGB nennt unter anderem:

  • Notwehr (§ 1306 ABGB)
  • Notstand (§ 1306a ABGB)
  • erlaubte Selbsthilfe (§ 344 ABGB)

Bei der erlaubten Selbsthilfe darf jemand ausnahmsweise selbst handeln, um sein Recht zu sichern, wenn staatliche Hilfe zu spät käme. Klassisches Beispiel: das Zurückhalten einer Sache, um eine Forderung durchzusetzen.

Wichtig ist bei allen Rechtfertigungsgründen ein gemeinsamer Gedanke: Die Handlung muss erforderlich und verhältnismäßig sein. Nur dann erkennt das Recht an, dass eine eigentlich verbotene Handlung ausnahmsweise zulässig war.

Quellen

Ratz, Eckart; Fabrizy, Ernst: Strafgesetzbuch Kommentar, MANZ Verlag.
Kletečka, Andreas; Schauer, Martin: ABGB-ON Kommentar, MANZ Verlag.

Bewertung dieses Artikels

Teilen   

Kanzlei-Empfehlung

Podcast

Einfach in 3 Schritten einen Anwalt finden, der auf Ihr Rechtsproblem spezialisiert ist

Ein zugelassener Anwalt / eine zugelassen Anwältin ist dafür da, über Rechtsfragen zu beraten und Klienten vor Gericht zu vertreten. Es ist seine Aufgabe, Dienstleistungen im Bereich der Rechtsberatung zu erbringen und Klienten vor Gericht zu vertreten. Mit diesem Wissen kennt er alle relevanten Herausforderungen dieses Systems und ist mit allen einschlägigen Rechtsnormen vertraut.

Fachexperten auf Ihrem Gebiet

Anwalts-Empfehlungen gefiltert durch das RechtEasy-Team -Best Choice der Anwälte in Österreich

Chatbox aufmachen

Klicken Sie auf den blauen Button im rechten unteren Eck und wählen aus, dass Sie eine Anwaltsempfehlung benötigen.

Problem schildern

Erklären Sie, welches Anliegen Sie haben. Gehen Sie hier auch gerne ins Detail.

Zurücklehnen

Unser Team beurteilt Ihre Rechtsfrage und vermittelt den richtigen Anwalt/die richtige Anwältin für Sie in Ihrer Region.

Die Vermittlung ist kostenlos. Der jeweilige Anwalt wird Ihnen vorab die genauen Kosten mitteilen, sodass Sie immer die volle Kontrolle haben.

Rechts unten den Chat öffnen, Rechtsfrage stellen und gleich vermitteln lassen.

Jetzt zum Newsletter anmelden!

Auf RechtEasy befinden sich über 7500 Begriffserklärungen und juristische Ratgeber, die von Rechtsanwälten und Juristen verfasst wurden

Liste der Anwälte

Liste der Anwälte

Liste der Anwälte