Die Kanzlei als externe Rechtsabteilung: Moritz Völkl über Legal as a Service für KMU

Viele KMU holen sich Rechtsberatung erst, wenn es bereits brennt. Rechtsfabrik setzt auf ein anderes Modell: laufende Begleitung statt punktueller Feuerwehreinsätze. Im Interview erklärt Rechtsanwalt Moritz Völkl, warum Regeln für ihn kein Gegner sind, wie Flatrates in der Praxis funktionieren und wo KI im Unternehmensalltag echte Risiken schafft.

Regeln sind Spielfeld, nicht Gegner.

Wer Moritz Völkl zuhört, merkt schnell: Sein Blick kommt nicht nur aus der klassischen Beratung, sondern auch aus dem Verständnis dafür, wie Staat und Verwaltung ticken. Genau dieses Denken übersetzt er heute in pragmatische Entscheidungen für Unternehmen.

RechtEasy-Redaktion: Du kommst fachlich auch aus dem Staats- und Verwaltungsrecht: Wo hilft dir dieser Blick heute in der Unternehmensberatung am meisten?

Moritz Völkl: Im Umgang mit Regulierung. Viele Unternehmer sehen Regeln als Gegner, ich sehe sie als Spielfeld. Wer versteht, wie der Staat (Behörden, Gesetzgeber, Gerichte etc.) denkt, kann besser planen statt nur reagieren.

Ein Muster begegnet ihm dabei immer wieder: Viele Teams denken – richtigerweise – an Wachstum, aber zu selten an den Moment, in dem es intern ungemütlich wird. 

RechtEasy-Redaktion: Was ist eine juristische Frage, die in KMU fast immer zu spät gestellt wird?

Moritz Völkl: „Was passiert, wenn wir uns zerstreiten?“ – Gesellschafter denken an Wachstum, nicht an Trennung, und so soll es am Anfang auch sein. Eine rechtliche Rahmenbedingung für solch einen Fall ist dennoch unerlässlich. Verträge werden nicht für die Schönwetter-Tage erstellt.

“Reif” für eine externe Rechtsabteilung.

Das Modell, als externe Rechtsabteilung zu agieren, richtet sich nicht an jedes Unternehmen in jeder Phase. Entscheidend sind Setup, Teamkonstellation und die Frage, welche Entscheidungen als nächstes anstehen.

RechtEasy-Redaktion: Ihr positioniert euch als ausgelagerte Rechtsabteilung für KMU: Woran merkt ein Unternehmen, dass es dafür “reif” ist?

Moritz Völkl: Dies hängt meiner Ansicht nach etwas von der Gründer:innen-Zusammenstellung ab. Gerade am Anfang kann mit etwas juristischem Know-How viel alleine erledigt werden, solange man gut organisiert ist. Idealerweise holt man sich einen „Legal Guy“ aber schon vor den ersten wegweisenden Entscheidungen ins Boot.

Ein Beispiel: Ein Gesellschaftsvertrag für die Gründung einer GmbH lässt sich mit juristischem Know-How, guter Recherche, Motivation und Rücksprache mit dem Notar (den man, leider, ohnehin hierfür braucht) sicher zunächst selbstständig verfassen. Sollten in weiterer Folge aber mehrere Personen hinzutreten und ggf. Anteile durch (Reverse-)Vesting und grundlegenden Entscheidungen für die Zukunftsausrichtung getroffen werden, halte ich es für nicht sehr sinnvoll, sich einen anwaltlichen Ratschlag einzuholen. Mitzudenken und sich beraten zu lassen spart später massiv Zeit, Nerven und Geld. Klar: In der Frühphase ist Budget ein Thema, abergenau deshalb gibt es bei mir auch anfangs auch niedrige Flatrats und auch mal kostenfreie Beratung. Aber klar ist auch: Wer wartet, bis es brennt, zahlt am Ende immer mehr.

Sobald Rechtsberatung über ein Abo-Modell läuft, taucht fast automatisch die Sorge auf: Entweder es wird “zu viel genutzt” oder es entsteht Frust, weil Erwartungen nicht matchen. Moritz Völkl setzt hier bewusst auf Struktur statt Bauchgefühl.

RechtEasy-Redaktion: Legal as a Service klingt nach Abo: Wie verhindert man in der Praxis, dass es entweder zur Flatrate-Ausnutzung oder zur “zu wenig Leistung”-Diskussion wird?

Moritz Völkl: Durch ein sauberes Onboarding. Ich lerne Team, Produkt und Geschäftsmodell kennen. Auf dieser Basis definieren wir eine realistische Flatrate. Vertrauen ist zentral und daher wird nach drei Monaten die Flatrate ggf. angepasst, nach oben oder unten oder die Zusammenarbeit schlicht beendet, wenn eine der Seiten nicht zufrieden ist. Ich lehne viele Anfragen von Unternehmen ab, wo ich im Vorfeld schon merke, dass dies auf der persönlichen Ebene in Zukunft nicht passen wird. Es interessiert mich nicht, für zwei, drei Monate eine Flatrate abzucashen, sondern ein Unternehmen und die Gründer:innen im Idealfall von Anfang an für eine lange Zeit zu begleiten.

Dass es nicht bei Schlagworten bleibt, soll sich schon in den ersten Wochen zeigen. Onboarding ist in diesem Modell nicht Beiwerk, sondern Voraussetzung dafür, dass Rechtsberatung nicht zur Bremse wird.

RechtEasy-Redaktion: Wie sieht ein gutes Onboarding aus, damit ihr wirklich wie ein Teil des Teams arbeiten könnt?

Moritz Völkl: Meist ein gemeinsamer Nachmittag, beim Unternehmen im Büro oder bei mir. Vorab hole ich mir relevante Unterlagen ein, um mich vorzubereiten. Idealerweise ist das ganze Team dabei, zumindest digital. Aber: Persönlicher Kontakt ist mir extrem wichtig, der Outcome ist einfach wesentlich höher.

Was Unternehmen an klassischer Beratung oft unterschätzen.

Über Rechtskosten wird meist erst gesprochen, wenn eine Honorarnote da ist. Was in der Praxis aber genauso wirkt, sind verdeckte Kosten, falsche Prioritäten und das Auslagern von Themen, die intern zumindest vorbereitet werden könnten.

RechtEasy-Redaktion: Was sind die häufigsten 3 “unsichtbaren” Kosten klassischer Rechtsberatung, die Unternehmen erst später merken?

Moritz Völkl: Am Anfang schon jegliche Thematik an Anwälte auszulagern, die dann auch noch nach Stundensatz abrechnen; Selbstüberschätzung und Ignoranz gegenüber rechtlichen Basics; Intransparenz bei Zusatzkosten: Notar, Firmenbuch, Gebühren – das läppert sich schnell.

Ein Punkt, den er klar anspricht: Verständlichkeit ist kein “Design-Thema”, sondern ein Wirksamkeits-Thema. Ein Vertrag kann formal sauber sein und trotzdem im Alltag scheitern, wenn ihn niemand versteht oder nutzt.

RechtEasy-Redaktion: Ihr nennt Legal Design explizit: Was ist für dich der praktische Unterschied zwischen “schön” und “wirksam”?

Moritz Völkl: „Schön“ ist Layout. „Wirksam“ ist Verständnis. Ein Vertrag bringt nichts, wenn ihn niemand liest oder versteht. Legal Design heißt: Die richtige Information, zur richtigen Zeit, für die richtige Zielgruppe und dies ohne juristische Selbstverliebtheit und ewiglange Schachtelsätze.

KI im Unternehmen: Risiko sitzt oft vor dem Tool.

KI ist im Alltag vieler Teams angekommen. Für Völkl ist dabei weniger die Technologie das Problem, sondern der Umgang damit, besonders wenn Outputs ungeprüft weiterverwendet werden.

RechtEasy-Redaktion: Was ist deine klare Meinung zu “KI Tools im Unternehmen”: wo entstehen die größten Rechtsrisiken, nicht theoretisch, sondern praktisch?

Moritz Völkl: KI ist genial. Jedes Unternehmen sollte sie nutzen. Das größte Risiko ist nicht die Technik, sondern der Mensch: falsche Prompts, blindes Vertrauen in Ergebnisse, fehlende Bewertung. Ein KI-Output ist wie eine ärztliche Ferndiagnose, daher hilfreich, aber die Verantwortung bleibt beim Anwender.

Abschluss-Punch.

Zum Schluss noch ein Satz, der im Kopf bleibt.

RechtEasy-Redaktion: “Die häufigste falsche Annahme von Geschäftsführern zu Haftung ist …”

Moritz Völkl: … dass die GmbH schon alles abschirmt. Tut sie nicht, jedenfalls nicht automatisch.

Was aus dem Gespräch hängen bleibt, ist weniger ein juristisches Detail als eine Haltung: früh Klarheit schaffen, Entscheidungen absichern, und Prozesse so gestalten, dass sie im Alltag funktionieren. Ob Gesellschaftsvertrag, Datenschutz, KI-Nutzung oder Vertragsdesign:

Es geht nicht um die perfekte Lösung auf dem Papier, sondern um eine, die das Team versteht und umsetzt.

Die RechtEasy Redaktion bedankt sich für das Gespräch!

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