Verwaltung

Verwaltung bedeutet im österreichischen Staatsrecht jenes staatliche Handeln, das weder Gesetzgebung noch Gerichtsbarkeit ist. Gemeint ist vor allem der Vollzug der Gesetze durch Behörden und andere Verwaltungsorgane. Dazu gehört etwa, dass eine Bezirkshauptmannschaft eine Bewilligung erteilt, eine Gemeinde eine Abgabe vorschreibt oder eine Sicherheitsbehörde eine Maßnahme setzt.

Verwaltung ist damit ein zentraler Teil der Vollziehung. Sie handelt nicht frei nach Belieben, sondern ist rechtlich gebunden. Für Bürgerinnen und Bürger ist das besonders wichtig, weil Verwaltung oft unmittelbar in den Alltag eingreift: bei Gewerbe, Bau, Meldewesen, Sozialleistungen, Verkehr, Sicherheit oder Abgaben.

Was die Verwaltung kennzeichnet

Die österreichische Verwaltung ist an das Legalitätsprinzip gebunden. Art. 18 Abs. 1 B-VG bestimmt, dass die gesamte staatliche Verwaltung nur auf Grund der Gesetze ausgeübt werden darf. Behörden brauchen daher eine gesetzliche Grundlage für ihr Handeln. Sie dürfen nicht einfach nach Zweckmäßigkeit oder bloßer Zweckvorstellung entscheiden.

Zur Verwaltung gehören nicht nur klassische Behörden, sondern allgemein jene Organe, die Verwaltungsaufgaben wahrnehmen. Art. 20 B-VG regelt dafür wichtige Grundsätze. Verwaltungsorgane stehen grundsätzlich in einer Hierarchie und sind, soweit verfassungsrechtlich nichts anderes vorgesehen ist, an Weisungen der vorgesetzten Organe gebunden. Gleichzeitig gilt für alle mit Verwaltungsaufgaben betrauten Organe eine Amtsverschwiegenheit, soweit gesetzlich nichts anderes vorgesehen ist.

Hoheitsverwaltung und Privatwirtschaftsverwaltung

Im österreichischen Recht wird meist zwischen Hoheitsverwaltung und Privatwirtschaftsverwaltung unterschieden.

In der Hoheitsverwaltung tritt der Staat mit hoheitlicher Befehls- und Entscheidungsgewalt auf. Typisch sind Bescheide, Verordnungen oder unmittelbare Befehls- und Zwangsgewalt. Wer etwa eine baurechtliche Bewilligung beantragt oder einen Strafbescheid erhält, befindet sich im Bereich der Hoheitsverwaltung.

In der Privatwirtschaftsverwaltung handelt der Staat dagegen nicht mit Hoheitsgewalt, sondern wie ein Privater, etwa beim Abschluss von Verträgen oder bei der Verwaltung öffentlichen Vermögens. Auch dabei ist der Staat an Recht gebunden, aber die Form des Handelns ist eine andere als im behördlichen Verfahren.

Wie Verwaltung in der Praxis handelt

Verwaltung erfolgt in vielen Formen. Besonders wichtig sind:

  • Bescheide: individuelle Entscheidungen in einer konkreten Sache, etwa eine Genehmigung oder eine Abweisung;
  • Verordnungen: generelle Regelungen, die auf Gesetz beruhen müssen;
  • faktische Amtshandlungen: etwa Kontrollen oder sicherheitspolizeiliche Maßnahmen;
  • Verträge und sonstiges privatrechtliches Handeln in der Privatwirtschaftsverwaltung.

Für behördliche Verfahren ist vor allem das Allgemeine Verwaltungsverfahrensgesetz 1991 (AVG) wichtig. Es regelt allgemeine Fragen des Verfahrens, etwa Parteienrechte, Akteneinsicht, Zustellungen, Fristen und die Form von Bescheiden. Das AVG gilt allerdings nicht ausnahmslos für jede Verwaltungssache; in vielen Materien bestehen Sonderregelungen.

Rechte der Betroffenen

Wer von Verwaltungshandeln betroffen ist, hat im Verfahren bestimmte Rechte. Dazu zählen insbesondere das Parteiengehör, das Recht auf Akteneinsicht nach Maßgabe des AVG und das Recht auf eine begründete Entscheidung, wenn ein Bescheid ergeht.

Gegen einen rechtswidrigen Bescheid einer Verwaltungsbehörde kann grundsätzlich Beschwerde an das Verwaltungsgericht erhoben werden. Art. 130 B-VG nennt als zentrale Fälle Beschwerden gegen Bescheide wegen Rechtswidrigkeit, Beschwerden gegen die Ausübung unmittelbarer verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt sowie Säumnisbeschwerden, wenn eine Behörde nicht rechtzeitig entscheidet.

Welches Verwaltungsgericht zuständig ist, richtet sich nach Art. 131 B-VG und den jeweiligen Materiengesetzen. In Österreich gibt es Verwaltungsgerichte der Länder sowie Verwaltungsgerichte des Bundes. Für das Verfahren vor diesen Gerichten ist vor allem das Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz (VwGVG) maßgeblich. § 17 VwGVG verweist für viele Fragen ergänzend auf Bestimmungen des AVG.

Abgrenzung zu Regierung und Gerichten

Nicht jedes Handeln der Exekutive ist Verwaltung im engeren Sinn. Politische Leitungsentscheidungen der obersten Organe werden häufig von der eigentlichen Verwaltungsarbeit unterschieden. Für den Alltag der Bürgerinnen und Bürger ist aber vor allem die praktische Seite entscheidend: Verwaltung ist jenes staatliche Handeln, das Gesetze im Einzelfall umsetzt und dabei unmittelbar Rechte oder Pflichten berühren kann.

Von der Gerichtsbarkeit unterscheidet sich Verwaltung vor allem dadurch, dass Verwaltungsbehörden Verwaltungsaufgaben vollziehen, während Gerichte Rechtsprechung ausüben. Gerade deshalb ist der Rechtsschutz gegen Verwaltungshandeln im Verfassungsrecht besonders abgesichert.

Warum der Begriff wichtig ist

Der Begriff Verwaltung ist mehr als eine bloße Sammelbezeichnung für Behörden. Er beschreibt einen eigenen Bereich staatlichen Handelns mit klaren verfassungsrechtlichen Vorgaben: gesetzliche Bindung, organisatorische Einordnung, Verfahren und gerichtliche Kontrolle. Wer verstehen will, wie der Staat im Alltag handelt, kommt an diesem Begriff nicht vorbei.

Quellen

  • Art. 18 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG), RIS.
  • Art. 20 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG), RIS.
  • Art. 130 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG), RIS.
  • Art. 131 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG), RIS.
  • Allgemeines Verwaltungsverfahrensgesetz 1991 (AVG), RIS.
  • § 17 Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz (VwGVG), RIS.
  • Bernhard Raschauer, Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Auflage, MANZ, Wien.
  • Walter H. Rechberger/Christian Koller/Christian Fuchs, Lehrbuch Verwaltungsverfahrensrecht, 7. Auflage, facultas, Wien.
  • Michael Holoubek/Michael Lang (Hrsg.), Verwaltungsverfahrensrecht und Verwaltungsgerichtsbarkeit, Verlag Österreich, Wien 2025.
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